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Dresden

Gipfeltreffen der Madonnen

Von Paul Kreiner, Rom aus der Sächsischen Zeitung vom 16.06.2011
SZ.SEITEDREI@DD-V.DE

An all dem ist der Papst schuld. Gerne hätte Sachsen den 84-Jährigen bei seinem dritten Deutschlandbesuch im September begrüßt, aber Benedikt XVI. beschränkt sich auf Berlin, Erfurt und Freiburg. Für „Elbflorenz" fiel dafür immerhin ein Trostpreis von künstlerischem Weltrang ab.
Es sei, so hieß es am Dienstagabend in den Vatikanischen Museen, Benedikt persönlich gewesen, der der „Madonna von Foligno" zum ersten Mal eine Ausreisegenehmigung erteilt habe. Sie gehört zu den Spitzenkunstwerken, die der Vatikan sonst nie verleiht.
Die „Madonna von Foligno" ist ein paar Wochen älter als die „Sixti-nische Madonna". Sie zeigt zwar im Grunde dasselbe Motiv, zugleich die am meisten gemalte Szene der Kunstgeschichte: die Muttergottes mit dem Kind in der Glorie des Himmels. Aber bei der ersten Madonna ist die Erde noch präsent; Raffael setzt sie vor den Hintergrund einer zauberhaften Ideallandschaft. Der Chef der Vatikanischen Museen, Antonio Paolucci, erklärt: Raffael (1483 - 1520) sei in der Begegnung mit venezianischer und ferrareser Malerei „von Farbe entflammt" gewesen. Bei der Dresdner Madonna hingegen hat sich der Renaissance-Künstler formatfüllend in den Himmel selbst hineingezoomt; nur noch der zurückgeschlagene Vorhang markiert die Distanz zur Erde und zum irdischen Betrachter.

Die „Sixtinische Madonna" in Dresden, die nicht nur wegen der inflationär verbreiteten zwei Putten am unteren Bildrand Berühmtheit genießt, ist auch - wie der Vatikan immer wieder ironisch feststellt - ein vermeintlich künstlerisches Pilgerziel zahlreicher Rom-Touristen: Dass sie „sixtinisch" heiße wie die „Sixtinische Kapelle", verleite immer noch viele Touristen zur Annahme, sie sei in unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser zu besichtigen. Dabei malte Raffael sie lediglich für eine Kirche in Piacenza, die dem Heiligen Sixtus geweiht war. Seit Kurfürst August III. sie 1754 über Strohmänner kaufte, hängt ie in Dresden. Der Regent brauch-e für seine Sammlungen unbe-ingt einen „großen" Raffael, und ie „Sixtina" war schlicht der letzte affael, der auf dem Markt noch zu finden war.
So entschieden sich die Wege der Madonnen-Zwillinge trennten, so teilen sie doch ein ähnliches Kriegsschicksal: Rotarmisten entführten die Dresdner Madonna 1945 nach Moskau, ihre Foligno-Schwester war schon 1797 für sechzehn Jahre den Truppen Napoleons in die Hände gefallen. Damals war sie als drei Meter hohes Altarbild noch auf Holz gemalt; Restauratoren in Paris übertrugen Raffaels Werk in einer hoch riskanten, aber geglückten Operation auf Leinwand - und davon profitiert jetzt Dresden. Holzbilder, vor allem in einem solchen Monumentalformat, sind für Reisen viel zu empfindlich.

Nun werden die Schwestern wieder vereint werden: vom 6. September 2011 bis zum 8. Januar 2012 in den Staatlichen Kunstsammlungen. Nach den Worten des vatikanischen Kurators Arnold Nesselrath wird das Gipfeltreffen unmittelbare Vergleiche der beiden Madonnen erlauben. Womöglich hat für den Engel der Foligno-Madonna derselbe Junge Modell gestanden wie für das Jesuskind auf dem Arm der Dresdner Muttergottes. Flankiert werden die beiden von achtzehn praktisch gleich alten Spitzenwerken nordalpinen Ursprungs: mit eigenen Madonnen gastieren unter anderem Albrecht Dürer, Lucas Cranach und Matthias Grünewald.
Das alles soll erst der Anfang einer Zusammenarbeit zwischen Dresden und Rom werden. Geplant ist bereits eine Ausstellung in Dresden, die - ein Kuriosum der Kunstgeschichte - jene Indianerbüsten und -statuen zeigen soll, die der Dresdner Bildhauer Ferdinand Pet-trich (1798 -1872) bei seinen Amerika-Reisen aus Terracotta hergestellt hat. Sie stellen den „Edlen Wilden" in der Pose klassischer griechischer Helden dar.
Diese lebensgroßen Indianer wurden niemals öffentlich ausgestellt; sie schlummern in den Depots der Vatikanischen Museen.
Die Türckische Cammer lockte bislang mehr als 300000 Besucher nach Dresden. Die Macher wollen nun den Tourismuspreis.

Von Sebastian Schneider
SZ.DRESDEN@DD-V.DE
Der Weg ins Paradies führt über Fladenbrot und Knoblauchsoße. Auf zwei Millionen Dönertüten warben die Hüter der Türckischen Cammer im Dresdner Residenzschloss für ihr osmanisches Kleinod. „Wir wollten neue Ideen finden, für unsere Ausstellung zu werben", sagt Dirk Syndram, Direktor des Residenzschlosses.
Syndram hält sich am liebsten im prunkvollen Staatszelt der Cammer auf. „Das Zelt", sagt er „ist für mich wie ein kleines Paradies." Die Türckische Cammer ist eine der bedeutendsten Sammlungen osmani-scher Kunst weltweit. Gerade eben erst kam Dirk Sydram von einer Istanbul-Reise zurück. „Ich habe dort
 
 
Mitten in seinem „Paradies": Der Direktor des Grünen Gewölbes, Dirk Syndram, vor dem prunkvollen osmanischen Staatszelt.      Foto: Jörn Haufe
nur wenige vergleichbare Museen gesehen, die mit der Türckischen Cammer mithalten konnten", sagt er. Grund genug für ihn und seine Mitarbeiter, sich um den vierten Dresdner Tourismuspreis zu bewerben. Und auch wenn Döner und Türkei nicht gerade die geistreichste Assoziation abgeben: Der millio
 
und das 20 Meter lange und sechs Meter hohe Staatszelt. Über 600 Exponate aus der Zeit zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert sind in der Cammer ausgestellt. Viele davon stammen aus den ergiebigen Einkaufstouren Augusts des Starken durch Istanbul. Der Kurfürst hatte ein Faible für den osmanischen Chic und inszenierte sich am Dresdner Hof mehrmals als Sultan.
Die Türckische Cammer hat bis heute besonders viele ausländische Besucher nach Dresden gelockt. „Sie ist ein Begegnungspunkt gerade für türkischstämmige Gäste geworden. Es ist schön, dass es hier jetzt einen Ort für diese reiche Kultur gibt", sagt Dirk Syndram. Die Ausstellung ist mit Liebe zum Detail gestaltet, für die Besucher aus dem Ausland gibt es Führungen und Schilder in verschiedenen Sprachen. Gerade sie sollen nach dem Wunsch der Macher zwischen Krummsäbeln und Seidenpantoffeln umherpirschen. „Wir sehen die Türckische Cammer auch als Zeichen der Weltoffenheit Dresdens", sagt Dirk Syndram.
  
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