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Eifel

Eifel und Vulkaneifel - eine Übersicht

Die Steinlaus gibt es doch. Loriot hat in seinem Sketch recht. Sie sitzt in einem weißen Kästchen im Museum von Manderscheid. Exakt 6,7 Millimeter groß. Sie war schon zehn Jahre im Archiv, bevor man sie erkannte. Jetzt feiern Experten das versteinerte Krümel als den weltweit ältesten Fund einer fossilen Laus. Der Fundort ist ein Archiv mit Haut und Haar in der Nähe des Museums. Dort aus dem Eckfelder Maar wurden seit Ende der Achtziger jähre Zehntausende Stücke geborgen. Dazu gehört eine Biene, die an den Hinterbeinen noch Pollen aus dem Eozän trägt. Und anderthalb Pferd gehört dazu, ein schwangeres Urpferd. Die Laus ist ungefähr 44 Millionen Jahre alt. Schon gefiederte Dinos müssen unter den Krabbeltieren gelitten haben. Doch, das weiß man. Die Laus hatte Federn im Magen.
Solche Geschichten lernt man am Eifelsteig. Er führt über eine Strecke von rund 300 Kilometern von Aachen nach Trier. Umgedreht geht es genauso gut.
Die Tourismusbüros haben den Steig in 15 Tagesetappen gegliedert, der Ein- und Ausstieg unterwegs ist jederzeit möglich. Die Eifel Tourismus GmbH arrangiert Pauschalangebote in jeder Größe. Die Gastgeber sind auch auf Alleinwanderer eingestellt und helfen beim Rucksacktransport von einem Ort in den nächsten. Beispielsweise von Hillesheim über Gerolstein und Daun bis nach Manderscheid. Etwas für Premium-wanderer. Der Eifelsteig ist berühmt für die Eifelkrimis von Pfeifenraucher Jaques Berndorf und einen „hohen Pfad-anteil". Selbst dort, wo der Steig mal ein paar Meter über eine wenig befahrene Landstraße führt, wird der Wiesenrand kurzgetrimmt. Bloß kein Asphalt. Nett für die Füße. Im Bolsdorfer Tälchen bei Hillesheim können die Zehen auf einem Barfußpfad spielen gehen. Tälchen, Flüsschen, Brückchen. So bleibt es nicht.
Aufstieg zum Rother Kopf, 500 Meter hoch. Prächtiger Rundumausblick mit Buchenwald, Rapsfeld, Wiesengrün. Ein Falke hängt wie festgenagelt in der Luft. Und ab in die Dunkelheit der Mühlsteinhöhle. Bis ins 20. Jahrhundert wurden Mühlsteine hier ... ja was: abgebaut? hergestellt? Und wie geht das? Der Geologe Peter Bitschene führt kleidsame Helme mit sich. Da werden die Fledermäuse staunen. Etwas tropft in den Nacken. Etwas raschelt. Ein Stein kommt ins Rollern, wer weiß wohin. Klackern. Stille. Im Schein der Taschenlampe werden an der Höhlendecke mächtige Rundlinge sichtbar. „In den Spalt zwischen Stein und Stein wurden Holzkeile getrieben", sagt der Geologe Bitschene, „und darüber wurde Wasser geleitet; das Holz quoll auf und sprengte den Mühlstein ab." Hoffentlich stand da grad niemand drunter.

Das Wasser kann viel in dieser Gegend. Im Stadtpark von Gerolstein sprudelt es aus der Helenenquelle. Ein älteres Ehepaar bringt einen Kasten mit leeren Plasteflaschen getragen und schleppt ihn gefüllt wieder fort. Gern gesehen wird das aber nicht. „Wir haben es hier", sagt Peter Bitschene und setzt eine erwartungsvolle Pause, „mit dem Champagner i den Mineralwässern zu tun." Es kommt aus 80 Metern Tiefe, besitzt viel Calzium und Magnesium, versetzt mit vulkanischem Kohlenstoffdioxid, und kann direkt vom Messinghahn der Quelle trunken werden. Eben wie Champagner.

Nüchternheit wäre vorteilhaft Aufstieg in die Gerolsteiner Dolon Wie poröse Riffe ragen die Felsen h dem Ort empor, schroff und ocker Es sind Riffe. Versteinerte Blumen Ein schmaler Pfad schlängelt sich c die Steine. An der Hagelskaule, wo eine Felsspalte auftat und glühende ] fontänen herausschössen, liegen löc Schlackestücke. Sie fühlen sich wari Das ist ja, sagt der Experte, alles nicht lange her, 30 000 Jahre, ein Fi schnippen. „Die Vulkane schlafen sagt Bitchene. „Sie können jederzeii der erwachen." Ein andermal, ja? 

Die Landschaft sieht aus, als hätte ein Riese unter der Erde mit dem Zeigefinger nach oben gestupst. Überall Bubbel. „Mützchen", sagt Andreas Schüller vom Geopark Vulkaneifel in Daun. Es muss mal mächtig gerumst haben in der Gegend. „Sie ist zerlöchert wie Käse", sagt Schüller. Dunkelblau schimmern die Ei-felmaare in tiefen, kreisrunden Talkesseln. Die meisten Maare allerdings sind ausgetrocknet wie das Eckfelder, wo die Steinlausforscher graben.

Schüller dürfte hauswirtschaftlich begabt sein. Die Entstehung der Maare erklärt er am Beispiel des Dampfbügeleisens. Glühend heißes Magma gerät in der Tiefe auf wasserführende Schichten. Dabei kommt es zu gewaltigen Wasserdampfexplosionen. Gestein zerbröselt bis zur Erdkruste hinauf und lagert sich als Kraterwall ab. Maare sind Möchtegern-Vulkane. Sie sind unterwegs stecken geblieben. Die Trichter füllten sich mit Grundwasser. Die Dichter sagen das viel poetischer. Sie schwärmen von den blauen Augen der Eifel. Der knallgelbe Ginster, der drumherum blüht, heißt auf Lyrisch Eifelgold. Vielleicht hat man sich eine Gegend so schöngeredet, die als Preußisch-Sibirien nicht eben schmeichelhaft berühmt war. „Schön ist sie schon", soll Wilhelm Zwo te wohnen müssen." Einer von ihnen war der Pastor von Weinfeld. Er überlebte als Einziger seines Dorfes 1526 die Pest. Die Leute von Schalkenmehren nahmen ihn auf. Deshalb haben sie bis heute das Recht, oben bei der kleinen, weißen Kapelle, die von Weinfeld blieb, begraben zu werden. Jeder Besucher darf beim Verlassen der Kapelle einmal die Glocke läuten. Dort liegt auch Pitt Kreuzberg unter Stiefmütterchen, der Maler, von dem fast jeder alte Eitler ein Bild in der guten Stube hängen hat.
Meerfeldein führt der Eifelsteig über Mäuseberg und Üdersdorfer Mühle zum Liesertal. Wer nicht weiß, was ein „hochwertiger Wanderweg mit Erlebnischarakter" ist, kann es hier lernen. Zwischen Eichen, Hainbuchen und hohen Tannen windet sich der Pfad am Steilhang entlang, dann wieder tändelt er direkt neben der Lieser. Wiesen öffnen sich zwischen Talschlingen, später verengt sich das Tal zur Schlucht. Schildfarn wuchert. Einmal ein Seitentälchen, eine Schutzhütte. Zwei Burgruinen lagern auf Felsvorsprüngen, und es würde einen nicht wundern, käme auf stolzem Schimmel scheppernd ein Ritter geritten. Aber da scheppert nichts. Kein Motor knattert. Kein Radio lärmt. Der Baumrauschfaktor steigt und steigt. Erst in Manderscheid im Museum kehrt die interaktive Wirklichkeit zurück.
 
Von Karin Grossmann aus Sächsischer Zeitung vom 04.06.2011
 
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