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Saale-Unstrut-Region

Naumburger Meister - Utas Seitensprung

Die mit großer Spannung erwartete Landesausstel­lung Sachsen-Anhalt 2011 „Der Naumburger Meister" hat ihre Pforten für Besucher geöffnet.

von Petra Strelau aus der Freien Presse vom 16.07.2011

NAUMBURG - „Da ist sie ja, die Uta! Venn schon nicht im Dom, treffen vir sie wenigstens auf dem Markt." Geradezu entzückt ist die Reisegruppe älterer Damen beim Anblick der leibhaftigen Uta mitten in Naumburg. Stadtführerin Karin Baier hat has Kostüm angelegt und sorgt so für Aufsehen. Sie muss aber auch als „Blitzableiter" herhalten, denn die Damen beschweren sich vehement, dass der Dom nicht zugänglich sei.
Die Spur des Meisters
Tatsächlich war er vier Wochen lang geschlossen, damit dort eine einmalige Ausstellung vorbereitet werden konnte. In deren Mittelpunkt steht der Naumburger Meister, dessen Skulpturen zu den
bedeutendsten des europäischen Mittelalters zählen. Im 13. Jahrhundert schuf er den Westchor im Naumburger Dom, wo Uta von Ballenstedt mit ihrem Gatten, dem Markgrafen Ekkehard II. von Meißen, und weitere zehn adlige Stifterfiguren auf uns herabblicken. Vom großen Meister gibt es kaum Überlieferungen, weder Name noch Geburts- und Sterbedatum sind bekannt. Sicher ist nur, dass er aus Frankreich kommt. Deutliche Spuren hat er als Architekt ad Bildhauer beispielsweise an der Kathedrale in der nordfranzösischen Stadt Reims hinterlassen. Anschließend wirkte er am Mainzer Dom. Und nachdem er sein Hauptwerk in Naumburg vollendet hatte, zog er 1250 weiter nach Meißen.
Erstmalig wurde nun an der Saale zusammengetragen, was vom größten Bildhauer seiner Zeit auffindbar ist. Ob aus Frankreich, Deutschland, Polen, Großbritannien, Österreich oder den USA - die Sammlung fügt in einzigartiger Weise zusammen, was zusammen gehört. Noch nie konnte der Mainzer Lettner - diese im Mittelalter übliche Abtrennung des Altar- vom übrigen Kirchenraum - unmittelbar mit dem Naumburger Westlettner verglichen werden. Die Landesausstellung macht es möglich. Doch damit nicht genug. Die Macher der Schau wollen dem Besucher nicht weniger als die Kultur des europäischen Hochmittelalters vom 10. bis zum 13. Jahrhundert nahe bringen. Dafür erhielten sie prominente Unterstützung aus Paris. So schickte der Louvre König Childebert L, eine der bekanntesten französischen Stifterfiguren aus dem 13. Jahrhundert, auf die Reise.
Auf allen Plakaten und Broschüren zur Landesausstellung Sachsen-Anhalt nimmt er nun den Platz von Utas Gemahl ein - allerdings auf der falschen Seite. Utas Seitensprung ist durchaus gewollt, versichern die Veranstalter, denn es gibt zahlreiche Parallelen zwischen den beiden Figuren. Es handelt sich um zwei Promis, die idealisiert dargestellt sind. Sie wurden von namenlosen Künstlern etwa zur gleichen Zeit geschaffen und sie entstanden, nachdem ihre Vorbilder schon Jahrhunderte nicht mehr am Leben waren.
500 Exponate werden auf einer Fläche von 2500 Quadratmetern in 33 Räumen gezeigt. Sie verteilen sich auf fünf Ausstellungsorte. Beginnen sollte man mit dem Schlösschen am Markt. Hier führen Leihgaben aus deutschen und französischen Kirchen in die Zeit des frühen Mittelalters ein. Wer sich bis zum Dom mit Marienkirche und Klausur vorgearbeitet hat, sollte sich unbedingt eine Pause im Domgarten gönnen. Bisher war er Besuchern nicht zugänglich, nun wurde er rekultiviert und neu gestaltet.
Besonders bemerkenswert ist der Garten des Naumburger Meisters, hier finden sich die Pflanzen, die dem Bildhauer als Vorlage für Kapitelle, Friese und Schlusssteine dienten. In einer offenen Bauhütte demonstrieren erfahrene Steinmetze, wie nach mittelalterlicher Technik gearbeitet wurde. Unerfahrene hingegen können sich an einem deutlich leichter zu bearbeitenden Gas-Schaum-Beton in der Kinder-Dom-Bauhütte versuchen.
Der letzte Ausstellungsort, das Stadtmuseum „Hohe Lilie", fällt ein wenig aus dem Rahmen. Im Spiegelsaal wurden elf kolorierte Gipsabgüsse der Naumburger Stifterfiguren aufgestellt. Nur Konrad fehlt, von ihm gibt es leider keine solche Kopie. Aber alle anderen sind auf Augenhöhe zu betrachten. Natürlich auch Uta, die allerdings eine Schnute zieht, der Abdruck ist wohl nicht so recht gelungen.
Mit Sicherheit hätte die Markgräfin von Meißen ihr Gesicht auch verzogen, wenn sie gewusst hätte, welcher Kult später einmal um sie getrieben wird. Das ist das Thema des Kuriositätenkabinetts im Stadtmuseum. Uta als Schachfigur oder Puzzle, als Kriegerheilige im Zweiten Weltkrieg, als Vorbild für die böse Königin aus Disneys Schneewittchen-Film - nichts wird ausgelassen. Auf Manschettenknöpfen findet sich ihr Antlitz ebenso wie auf der Werbung für Schuhe oder Wein.

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