Schwarzwald
Anreise zum Schwarzwald
Anfahrt: Mit dem Auto über Stuttgart rund 660 Kilometer. Per Zug rund acht Stunden. Unterkunft: Das Touristenzentrum Titisee im Hochschwarzwald bietet mehrere Tausend Unterkünfte -vom Zeltplatz bis zum Vier-Sterne-Hotel. In der Saison ist frühzeitiges Buchen empfehlenswert. Preisbeispiel: 2 Ü/F im Hotel Maritim ab 130 Euro pro Person inklusive Hochschwarzwald-Card. Hochschwarzwald-Card: Urlauber erhalten das Ticket ab zwei Übernachtungen bei über 200 Gastgebern. Es ermöglicht kostenlose Nutzung von mehr als 50 Freizeitangeboten, darunter das neue Badeparadies in Titisee, die Sommerrodelbahn in Todtnau, Golfen in Titisee, E-Bike- und Segway-Verleih. Internet: www.naz-feldberg; www.glottertal.de; www.schwarzwaldgaudi.de
Zum Kuckuck mit dem Kuckuck
Im SCHWARZWALD geht man mit der Zeit. Naturfreunde und Spaßurlauber freut's.
Von Steffen Klameth aus der Sächsischen Zeitung vom 30.07.2011
Wer in der „Welt der 1000 Uhren" am Titisee arbeitet, muss entweder starke Nerven oder etwas mit den Ohren haben. Die Wände sind mit tickenden Zeitmessern gepflastert, und unentwegt ruft es aus irgendeiner Ecke „Kuckuck". Im Sonderangebot sind gerade Quartz-Kuckucksuhren für 49 Euro das Stück zu haben. Die Verpackung gibt leider keinen Hinweis auf den Hersteller, was nur den Verdacht verstärkt, dass das typische Schwarzwald-Produkt von fleißigen asiatischen Händen gefertigt wurde. Macht nichts, viele Kunden kommen augenscheinlich auch von dort. So schließt sich der ökonomische Kreislauf, und alle haben etwas davon.
Nichts gegen den Kuckuck - aber andere Vögel hätten mindestens die gleiche Wertschätzung verdient, meint Elsa Stadelmann. Die 25-jährige Forststudentin steckt in einer Ranger-Uniform und führt Besucher durch das Naturschutzgebiet Feldberg, das höchste und eines der ältesten in Baden-Württemberg. Vom Haus der Natur steigt der Pfad zunächst steil an und zweigt dann in den Bannwald, der so heißt, weil sich die Natur hier selbst überlassen bleibt. Über Felsen und Wurzeln geht es zu einem Niedermoor, einem Lawinenfeld und schließlich zum sogenannten Käferloch. Hier hat der Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet, tote Bäume ragen wie Marterpfähle gen Himmel.
Aber so leicht lässt sich die Natur nicht unterkriegen. Vogelbeerbäume und Heidelbeer-sträucher erobern das Terrain zurück und locken auch seltene Vögel an, den Dreizehenspecht beispielsweise und den Sperlingskauz -„mein Lieblings vogel", wie Elsa Stadelmann gesteht, „der sieht so putzig aus." Das muss man ihr glauben, denn noch sind diese Arten so rar, dass man sie nur mit Geduld und Glück beobachten kann. Noch schwieriger verhält es sich offensichtlich mit dem Stachelsporigen Brachsenkraut. Die Rangerin macht ein großes Geheimnis darum, und wenn man dann endlich davor steht, kann man es nicht sehen. Es versteckt sich ein bis zwei Meter tief im Feldsee und existiert sonst nur noch im nahen Titisee und in Skandinavien. Viel Sauerstoff und wenige Nährstoffe sind das Lebenselixier der Farnart, Baden ist daher strengstens verboten.
Vom Feldsee sind es nur wenige Schritte bis zum Raimartihof, einem urigen Gasthaus mit Schenke und Bauernstube. Eine Spezialität des Hauses ist die Wurstplatte, und angesichts des herzhaften Schwarzwälder Schinkens wird selbst die überzeugte Vegetarierin Sonja aus München für einen Moment schwach. Dazu reicht die Wirtin ein Glas Wasser mit Holunderblütensaft und zum Schluss ein Gläschen Holunderblütenlikör - einfach köstlich.
Es gibt so einige Delikatessen, die man mit dem Schwarzwald in Verbindung bringt -Wein gehört nicht unbedingt dazu. Pia Lieckert belehrt alle Zweifler eines Besseren. I Glottertal, der Heimat der „Schwarzwaldklinik", gedeihen tatsächlich Trauben, die auc noch einen feinen Tropfen hergeben. „Roter Bur" heißt der Spätburgunder, der auf ein« Höhe von 250 bis 400 Metern wächst und de die Winzergenossenschaft gleich auf der anderen Straßenseite ausbaut und verkauft. M; Preisen ab sechs Euro ist er für Badener Verhältnisse nicht eben billig, aber die Erklärung von Frau Lieckert leuchtet zumindest jeden Sachsen sofort ein: Die Rebhänge sind so steil dass die Lese nur in reiner Handarbeit erledig werden kann. So bezahlt der Kunde nicht nu] für den guten Wein, sondern auch für die Postkartenansicht. Oder, wie es die Winzerin formuliert: „Des, wa ma sieht, isch it hingmolt, sundern erschaffe worde." Rund 150 Berufsund Hobbywinzer kümmern sich darum, und bei der Lese bekommen sie immer häufiger
Hilfe auch von Urlaubern. Im Gegenzug genießen diese Kost und Logis gratis - kein schlechter Tausch. Wem das alles noch zu bieder ist, der findet
auf dem Haberjockelshof das ultimative Vergnügen - oder Gaudi, wie Michael Heizmann es nennt. Mit seiner Familie betreibt er in Schwärzenbach ein Unternehmen, das auf den ersten Blick so gar nicht in die Schwarzwald-
idylle passen will. Aber wenn man erst einmal auf dem (Plastik-)Bullen geritten, auf rollenden Kuhfladen den Berg hinabgesaust und mit Quads durch die Prärie gedüst ist, will man nicht so schnell wieder fort. Muss man auch
nicht, denn natürlich gibt es auf dem einsam gelegenen Hof auch Ferienwohnungen. Direkt über dem Kuhstall. Vorm Balkon spaziert ein
Schwein, in der Ferne glitzert der Titisee. Eine
Uhr braucht man hier nicht, schon gar keine
Kuckucksuhr. STEFFEN KLAMETH
DREI GEHEIMTIPPS
Elsa Stadelmann führt Besucher durch den Schwarzwald.
Den SZ-Lesern verrät sie ihre drei Lieblingsorte:
I Der Felsenweg im Hochschwarzwald - unterhalb des Feldberggipfels geht es auf schmalem Pfad durch eine unberührte Natur.
II Der Rohrhardsberg bei Vach im Nordschwarzwald - eine weite, offene Landschaft mit wunderschönen Ausblicken.
III Der Schluchtensteig im Südschwarzwald - ein uriger Weg vorbei an Felsen und Wasserfällen, den man in Tagesetappen absolvieren sollte.
Ausführliche Informationen finden Sie hier in Kürze.
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- Abfahrtsort bzw. der Entfernung zum Ziel
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