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Griechenland

Besuch bei Sorbas

von Ursula Mielke aus der Thüringer Allgemeinde vom 09.04.2011

Wanderwege, Sonnenuntergänge und ausgedehnte Sandstrände locken in Griechenlands wilde Mani
 
Die Mani, man spricht aufgrund der Jahrhunderte währenden Zeit der Blutrache auch von der wilden Mani, ist der „Mittelfinger" der griechischen Halbinsel Peloponnes. Übersät mit Wehrtürmen zeigt sich die malerische, spröde, karge und zugleich stolze Landschaft. Die Mani erstreckt sich von der südlichsten Spitze des europäischen Festlandes, dem Kap Tainaron, über den Hauptort Areopolis bis hinauf nach Kaiamata, wo die Reisenden gewöhnlich einfliegen.
Der kleine Ort Kardamiii ist seines dörflichen Charakters und seines herrlichen Panoramas samt wundervoller Sonnenuntergänge über dem winzigen Hafen wegen ein idealer Ausgangspunkt zu Erkundung der Mani. Um ein Gespür für die urige Landschaft zu erhalten, empfiehlt es sich — ausgehend vom nördlichen Ortsrand —, den gut ausgeschilderten Weg nach Alt-Karda-mili und weiter zur Kirche
Hagia Sophia hinaufzusteigen. Von dort wandert man auf einem breiten Weg oberhalb des Winterbaches weiter. Wo dieser Pfad in den im Sommer ausgetrockneten Winterbach mündet, sollten trittsichere Zeitgenossen unbedingt im Flussbett nach Kardamiii zurückwandern.
Imposante Felswände sowie das kleine, verwitterte" Kloster Lykaki (Kloster des kleinen Wolfes) mit seinen gut erhaltenen Ikonen entschädigen für wenig anstrengendes Balancieren über das Flussgestein. Schattig und angenehm kühl ist es zudem.
Sechs Kilometer von Kar-damili entfernt und gut zu Fuß oder mit dem Linienbus zu erreichen liegt Stoupa. Dass sich nahe dem kleinen Fischerort jene Kohlemine befindet, die für den berühmten Roman „Alexis Sor-bas" von Nikos Kazantzakis als Vorlage diente, mag den Sommerurlauber weniger interessieren. Für Nichtschwimmer und Kinder sind der ausgedehnte Sandstrand und das flache Wasser gewiss wichtiger. Ein ruhiges Plätzchen unter Schatten spendenden Tamarisken findet sich allemal.
Das nach dem Kriegsgott Ares benannte Areopolis mit dem großen Denkmal des Freiheitskämpfers Petros Mavromichalis im Zentrum ist ebenfalls gut mit dem Linienbus zu erreichen. Die Stadt besitzt zwar viele Tavernen, in denen der Gast vor der Bestellung in die Küche zum Topfgucken gebeten wird, doch wer mit dem Mietwagen unterwegs ist, sollte sich ein Fischessen sechs Kilometer vor der Stadt in Limeni, dem alten Hafen von Areopolis, nicht entgehen lassen.
Im Sonnenschein sitzend sowie mit Blick auf die weite Bucht schmecken fangfrischer Fisch und Retsina einfach am besten. Man kann zuschauen, wenn der Fisch seiner Wahl am Meer ausgenommen und der ökologische Kreislauf geschlossen wird. Denn die Schwärme kleiner Barboünia scheinen genauso hungrig wie die Gäste zu sein.
Viele Sehenswürdigkeiten bietet die Mani. Jedoch muss man zu deren Erkundung einige Kilometer mit dem Auto zurücklegen. Die Straßen sind gut ausgebaut und — nicht selbstverständlich in Griechenland — gut ausgeschildert. Nach einer Autotour laden beispielsweise die Tropfsteinhöhlen von Pirgos Dirou auf einer Länge von knapp drei Kilometern zu einer Bootsfahrt ein. Etwa eine halbe Stunde gleiten die Besucher auf kleinen Booten durch ein schillernd ausgeleuchtetes Felslabyrinth und verlassen dieses garantiert entspannt.
Sparta, das neue und leider auch das alte, kann man getrost links liegen lassen. Aber das acht Kilometer davon entfernte Misträs, die byzantinische Ruinenstadt im Schatten des Tayetos-Gebirges, verlockt mit seiner einmaligen Ansammlung von Kirchen, Klöstern und prächtigen Wandmalereien zum längeren Verweilen. Mehrsprachige Texttafeln informieren ausführlich über Geschichte und Bedeutung des westlichen Pendants zu Konstantinopel.
Geografisch ist es nicht möglich, doch wer am südlichsten Zipfel der Mani, dem Kap Tainaron, steht, glaubt, in der Ferne Kreta schauen zu können. Von Kardamiii über Areopolis und Vathia immer gen Süden fahrend, erreicht man die Bucht von Porto Kagio. Von dort führt ein schmaler, halbstündiger Fußweg zum traumhaft schön gelegenen Kap, welches Lakonischen und Messenischen Golf trennt. Die Romantik — auch bei Sonnenuntergang - stört leider ein verlassener Leuchtturm aus jüngerer Zeit, was aber ein verträumter Blick aufs weite Meer vergessen lässt.
Im Südosten der Halbinsel Peloponnes liegt auf einem mit dem Festland durch eine Brücke verbundenen Felsen das imposante Monemvasia — Geburtsort des Dichters Giannis Ritsos. In der Unterstadt ziehen Cafés, Tavernen und Boutiquen die Touristen an, in der Oberstadt sind es das weiträumige Kastell und die um 1300 gegründete Kirche Hagia Sophia mit ihrer atemberaubenden Lage am Steilhang des Felsgipfels.
Wer Vathia nicht gesehen, kennt die Mani nicht. Obwohl der heute zwischen Areopolis und Kap Tainaron gelegene Ort 300 Einwohner (1979 waren es nur noch elf) zählt, ist seine Attraktion der historische Kern. Es sind die unbewohnten, festungsähnlich angelegten Wohntürme, ein pittoreskes Areal, das der Besucher nach Herzenslust durchstöbern kann. Und wer dies tut, fühlt sich schnell wie auf einer Schatzsuche. Der größte Schatz aber ist die Ma-.ni, die wilde, schöne, raue.
 

 
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