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Südtirol

Schloss Tirol hoch oben über der Kurstadt Meran gab dem Tirol seinen Namen

von Franziska Luther aus der Thüringer Allgemeinen vom 23.07.2011

Hoch oben über der Kurstadt Meran thront mit Schloss Tirol eine der wichtigsten historischen Burgen des Alpenraumes. Sie ist Namensgeberin und Wiege des gleichnamigen Landes an den Flüssen Inn, Eisack und Etsch.
Früher wie heute bietet sich dem Betrachter, der das Schloss vom bekannten Ort Dorf Tirol in einigen Minuten Fußmarsch über den von Weinreben flankierten Schlossweg erreicht, ein imposanter Ausblick.
Im Westen liegt der vom Obstanbau dominierte Vinschgau, dessen Äpfel und Birnen kurz vor ihrer Ernte im Herbst einen süßlichen Duft verströmen. Östlich erstreckt sich eines der ältesten Weinbaugebiete Südtirols. Eine Landschaft, die geradezu verführt, bei einem Glas Vernatsch in einer der zahlreichen Buschenschänken zu verweilen und das Aroma des nach Mandeln und Früchten schmeckenden Rotweins zu genießen.
Im Rücken die bis zu 3337 Meter hoch aufragenden Berge der Texelgruppe, kann der Blick weit durch das sonnenverwöhnte Etschtal bis hinunter nach Bozen schweifen.
Hier treffen südliches Klima und italienisches Flair auf Tiroler Traditionen und Brauchtum. Eine Begegnung zweier Kulturen, die auch nach vielen Besuchen nichts von ihrer Faszination verliert.
Die damit verbundene wechselvolle Geschichte Tirols und Südtirols kann in den Räumlichkeiten von Schloss Tirol erkundet werden. Durch Krypta, Rittersaal, Kapelle, Kaisersaal, Pa-las und den Bergfried führt den Besucher ein attraktiver Museumsparcours. Umgeben  von mittelalterlichen
Gemäuern wecken bedeutende Exponate sowie interaktive Ausstellungselemente den Entdeckergeist.
Vermutlich gegen Ende des 11. Jahrhunderts auf frühchristlichen Vorgängerbauten errichtet, wurde die Burg zum Stammsitz der Grafen von Tirol. Die erstmals im Jahr 1141 urkundlich erwähnten Grafen Alb^ recht und Berthold verwalteten die Gebiete des Vinschg-aus als Grafen im Auftrag der Bischöfe von Trient. Schon zu dieser Zeit erstreckte sich ihre Macht vom Reschen und den Bündner Pässen über den Vinschgau und Meran sowie das Passeier- und Ultental bis fast nach Bozen.
Besondere Bedeutung erlangte Schloss Tirol schließlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts unter Graf Meinhard II. (1238-1295). Der starke Landesfürst schuf mit einer aggressiven Politik das Land Tirol und ließ die
Burg als Verwaltungssitz großzügig ausbauen.
Unter Gräfin Margarethe (1318-1369) musste Schloss Tirol einer Belagerung durch Kaiser Karl IV. (1316 -1378) standhalten.
Auch nach der Übertragung der Grafschaft Tirol an die Habsburger im Jahr 1363 blieb die Burg der Verwaltungsmittelpunkt. 1420 wurde die Residenz der Tiroler Landesfürsten jedoch nach Innsbruck verlegt. Immer seltener wurde Schloss Tirol durch die mit Verwaltungs- und Herrschaftsaufgaben betrauten Landeshauptmänner aufgesucht, sodass weite Teile der Burg in der Neuzeit verfielen.
Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der einst prächtige Stammsitz wiederentdeckt und auf Forcierung der Habsburger restauriert.
Nach den Weltkriegen zunächst im Besitz des italienischen Staates, ging die Burg im Rahmen des Paketabkommens 1972 an die Landesregierung der Autonomen Provinz Bozen Südtirol über. Diese richtete darin vor wenigen Jahren das Südtiroler Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte ein.
Seit dem 9. Juli zeigt das Museum Leben und Werk einer der schillerndsten Figuren des Spätmittelalters: Oswald von Wolkenstein (1376-1445). Die Sonderausstellung ist mit 300 Leihgaben aus 75 Museen — darunter auch die Wolkenstein-Harfe der Wartburg-Stiftung — sehr hochkarätig besetzt.
Der Landadelige, hatte in seiner Funktion als Krieger und Diplomat weite Teile der damals bekannten Welt bereist und es sogar zum Diener und Rat König Sigismunds (1368-1437) sowie zum Reichsritter gebracht.
Neben der außergewöhnlichen Vita fasziniert aber vor allem das Werk des Wolkensteiners als wortgewaltiger Lyriker, Komponist und Musiker, dem in authentischer Kulisse auf Schloss Tirol gelauscht werden kann.
 
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