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Madrid

Königliche Tapas-kultur

Madrid ist nicht nur eine Kulturmetropole, sondern auch Spaniens Hauptstadt der Kochkunst. Neben regionaltypischen Restaurants wird hier die Tapas-Kultur besonders gepflegt.

VON JÖRG BERGHOFF aus der Freien Presse vom 18.06.2011

In der spanischen Hauptstadt Madrid, mit 650 Metern über dem Meer übrigens die höchstgelegene Hauptstadt aller EU-Staaten, und ihrer unmittelbaren Umgebung leben heute sechs Millionen Menschen. Jeder siebte Spanier ist also ein Madrilène. Und die Stadt wächst weiter, vor allem in Nord-Ost-Richtung breitet sich die Metropole aus. Im Vergleich zu anderen spanischen Städten ist Madrid eine sehr junge Stadt. Erst um 1900 erreichte man eine Millionen Einwohner. Ihr größtes Wachstum erlebte sie im 20. Jahrhundert, doch im Zentrum Madrids ist die abwechslungsreiche Geschichte allgegenwärtig. Es gibt ein habsburgisches Madrid des 16. und 17. Jahrhunderts, ein bourbonisches Madrid des 18. und 19. Jahrhunderts, neue Stadtgebiete am Rande, die überwiegend in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts entstanden, und die modernen Stadtviertel.

Dementsprechend vielfältig und faszinierend wirkt auch die Architektur Madrids. Hinzu kommt eine Mu-seumslandschaft, die jeden begeistert. Selbst Besucher, die bisher weniger an Kunst interessiert waren, geraten hier ins Schwärmen.
Mitunter regnet es auch in Madrid. Dennoch windet sich eine Warteschlange rings um das Nationalmuseum Prado, warten Jung und Alt geduldig auf Einlass, selbst am Nachmittag noch. Das hat seinen Grund, denn die Kunstschätze des Prado sind so legendär wie anziehend: Gleich zu Beginn im Erdgeschoss wartet ein hervorragend restauriertes Werk Albrecht Dürers auf die Besucher: „Adam und Eva". Und dann breitet sich ein Feuerwerk der klassischen Malerei aus, wie es kein Zweites gibt: Fra Angélico, Antonel-lo da Messina, Van der Weyden, Hieronymus Bosch, Dürer, Raphael, Rubens, Tizian, El Greco und natürlich die großen spanischen Maler Velaz-quez und Goya. Hier sind die bekleidete wie die nackte Maja zu sehen, ein Bild, wegen dem Goya vor der Inquisition fliehen musste. In einem Nebenzimmer hängt Dürers „Selbstbildnis" von 1498, eine Revolution in der Malerei. Wurde doch erstmals der Künstler selbst zum Hauptgegenstand des Bildes.
In unmittelbarer Nähe sollte man das Museum Thyssen-Borne-misza besuchen mit seiner spektakulären Sammlung von Werken früher italienischer Kunst bis zur Avantgarde und der Pop Art. Und das Reina Sofia Museum, denn ohne Pablo Picassos „Guernica" gesehen zu haben, kann man Madrid nicht verlassen.
Wer sich für Literatur interessiert, flaniert am besten durch das Innenstadtviertel Cortes. Hier wohnen noch immer viele Künstler, Literaten und Maler. Oder man stattet dem Plaza Santa Ana einen Besuch ab und bewundert, wie so viele Spanier, die Statue des verehrten Schriftstellers Federico Garcia Lorca.
Mit dem Besuch einiger der insgesamt 18.000 Tapas-Bars in Madrids Altstadt setzt man dem Ganzen dann die Krone auf. Der Name stammt wahrscheinlich aus der Zeit des spanischen Königs Alfons X., genannt „der Weise". Auf Grund einer Erkrankung konnte er nur kleine Bissen mit etwas Wein zu sich nehmen, und so befahl er, dass in ganz Kastilien kein Wein ausgeschenkt werden durfte ohne ein Appetithäppchen. Andere Quellen sagen, Tapas stammen aus dem Andalusien des 19. Jahrhunderts, als man kleine Köstlichkeiten wie Tortillas auf dem Weinglas als Deckel platzierte, um die Insekten fernzuhalten. Wie auch immer, das spanische Verb „tapar" bedeutet noch immer „bedecken".

Gestärkt durch eine kleine Auswahl Tapas geht es zu einem Ausflug ins mittelalterliche Chinchón. Die kleine Stadt - keine 50 Kilometer von Madrid entfernt - ist bekannt für seinen Anis-Likör und den besonders würzigen Knoblauch. Anschließend steht eine Stippvisite in einer der ältesten Universitäten Europas in Alcalá de Henares auf dem Programm. Sie wurde bereits im Jahr 1499 gegründet. Seit 1976 wird hier in der Universität vom spanischen König der Cervantes-Preis vergeben, beherbergt das schöne Städtchen östlich von Madrid doch das Geburtshaus des wohl berühmtesten Schriftstellers Spaniens, Miguel de Cervantes. Sein Ritter von der traurigen Gestalt Don Quijote, sein Diener und Beschützer Sancho Pansa, sein betagtes Pferd Rosinante, die angebetete Dulcinea und seine wahnwitzigen Kämpfe gegen Windmühlen und Ungeheuer aller Art sind unsterblich.
 
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